Mehrsprachigkeit an der HLW Rankweil

Seit Oktober 2015 ist die HLW-Rankweil Partnerschule des EU-Projekts Plur>E. Plur>E setzt das Projekt PlurCur am ECML (European Centre for Modern Languages) fort, das im Rahmen des Learning through Languages Programme 2012-2015 entwickelt wurde.
Ziel des Plur>E Projekts ist es, das Konzept eines mehrsprachigen und interkulturellen Gesamtsprachencurriculums für die Sekundarstufe in einem internationalen Kontext weiterzuentwickeln. Partnerschulen aus fünf europäischen Ländern (Italien, Irland, Türkei, Deutschland, Österreich) erarbeiten Sprachenprojekte, die sie im Lauf des Plur>E Projekts durchführen und evaluieren. Zielgruppen von Plur>E sind primär Lernende und Lehrende, das Projekt wendet sich jedoch auch an SchulleiterInnen und EntscheidungsträgerInnen in der Bildungspolitik.
Im Plur>E-Team der HLW-Rankweil sind Elisabeth Allgäuer, Angelika Kessler, Eva Kühne und Judith Türtscher.

Sprachen und Fächer vernetzt unterrichten

Das Konzept des Gesamtsprachencurriculums umfasst alle an einer Schule vorhandenen Sprachen: regionale, Mehrheits- und Minderheits-, Familien- und Nachbarsprachen sowie Dialekte. Sprachen als Fächer werden miteinander vernetzt, Sprachenunterricht und Sachfachunterricht werden verbunden, sodass jeder Sachfachunterricht auch zum Sprach-en-unterricht werden kann.

Wissen über Sprachen vermitteln

Die mehrsprachige und vernetzte Herangehensweise beim Sprachenlernen bedeutet, dass Lernende besser verstehen, wie Sprachen funktionieren und wo Sprachen ähnlich bzw. unterschiedlich sind, indem z.B. Sprachen verglichen werden. Lernende können sich somit bewusst machen, wie sie ihr Wissen über Sprachen auf neu zu lernende Sprachen transferieren können. Diese Herangehensweise unterstützt die Entwicklung des Bewusstseins über das Funktionieren von Sprachen, und erweitert die Verwendung von Sprachlernstrategien.

Vorhandenes Sprachwissen mit neuem Wissen verbinden

In allen Ländern Europas haben PädagogInnen mit zunehmender sprachlicher und kultureller Diversität zu tun. Das heißt, Lehrende müssen sich der Herausforderung stellen, die sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die SchülerInnen mitbringen, in den Unterricht zu integrieren. Eine solche Gesamtsprachenpolitik hat das Potential, neue pädagogisch-methodische Ansätze zu entwickeln und damit den Lernprozess aller Schülerinnen und Schüler zu verbessern.

Forschungsbasiertes Unterrichten und Lernen

Die Projektaktivitäten und -ergebnisse basieren auf aktueller Forschung im Bereich Mehrsprachigkeit/Vielsprachigkeit, speziell auf Forschungen zu multilingualem oder metalinguistischem Bewusstsein und zur Verwendung von (Fremd)Sprachen als Arbeitssprachen im Sachfachunterricht (CLIL - content and language integrated learning); ein weiterer Bereich ist die Interkomprehension, das heißt das Verstehen einer Sprache auf der Basis von früher gelernten Sprachen.

Von der Theorie zur Praxis

Unser Hauptinteresse galt dem verpflichtenden, dreimonatigen Fachpraktikum, das die SchülerInnen nach dem 3. Jahrgang absolvieren. Dieses Praktikum (gefördert vom Projekt Erasmus+) wird zum Großteil im Ausland gemacht. Neben den zielsprachigen Anforderungen, die die SchülerInnen meistern müssen, sollten sie auch in der Lage sein, mehrsprachig zu agieren.
Wir führten im Herbst 2015 und 2016 eine Umfrage über mehrsprachige Situationen, Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Sprachen und Herausforderungen sprachlicher Art bei der Kommunikation mit Gästen, KollegInnen und HotelbesitzerInnen in allen 4. Jahrgängen durch.
Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung:
•    In allen Ländern sind mehrsprachige Situationen eine alltägliche Erfahrung.
•    Neben der jeweiligen Landes- oder Regionalsprache werden Englisch und Deutsch regelmäßig eingesetzt. Englisch ist die häufigste Brückensprache.
•    Die Schülerinnen erwerben eine hohe Kompetenz im flexiblen Umgang mit Sprachen.
•    Viele wünschen sich mehrsprachige Vorbereitungsangebote vor dem Praktikum an der Schule.

Ausgehend von diesen Ergebnissen setzten wir uns zum Ziel, die sprachliche Vorbereitung der Schülerinnen sowohl zielsprachig als auch mehrsprachig zu gestalten. Nach der Konzeptausarbeitung im Februar und der Erstellung der Materialien (April/Mai), fand das sprachliche Training am 1. und 2. Juni 2017 in der HLW-Rankweil statt.
Entsprechend dem jeweiligen Zielland arbeiteten die SchülerInnen in Kleingruppen (max. 16 SchülerInnen pro Gruppe). Im konkreten Fall waren dies sechs Gruppen. Unterstützt wurden wir von den jeweiligen SprachlehrerInnen der Klassen.

Die SchülerInnen wiederholten paarweise Vokabular und übten Alltagssituationen sprachlich zu bewältigen (z.B.: Wegbeschreibung, Uhrzeit, Einkaufen, Wetter,…).

Die mehrsprachigen Materialien beschränkten sich aus zeitlichen Gründen auf ausgewählte Bereiche der Gastronomie (Restaurant, Rezeption, Bar). Aufbauend auf den Erfahrungen und Materialien des Mehrsprachigen Seminars, das an der HLW-Rankweil mehrere Jahre stattgefunden hat, erstellten wir pro Themenbereich und pro Zielsprache (E/F/Span/Ital) Vokabellisten und erarbeiteten Situationen, die die Schülerinnen in den jeweiligen Arbeitsbereichen vermutlich antreffen. Im Sinne der Mehrsprachigkeit sollten die Schülerinnen darauf vorbereitet werden, dass sie in der Praxis von einer Sprache zur anderen switchen müssen.
Die SchülerInnen arbeiteten paarweise circa acht Minuten lang an einer Station. Nach einem akustischen Signal wechselten sie zur nächsten Station. Innerhalb von 90 Minuten wechselten sie somit neun Mal die Sprache und neun Mal die Situation.

Die zukünftigen Praktikantinnen arbeiteten insgesamt vier Stunden lang sehr konzentriert. Die folgenden Aussagen zeigen, wie wichtig mehrsprachiges Arbeiten ist, und sind gleichzeitig für uns Lehrpersonen eine Ermutigung mehrsprachige Aspekte im Sprachunterricht bewusst zu fördern.
S1: Es war sehr gut, dass wir mündlich so viel übten und auch das Wechseln von den Sprachen üben konnten.
S2: ...sehr hilfreich, man hat gesehen, dass auch wenn man die Sprache nicht so gut kann, schafft man es irgendwie einen Satz zu formulieren, was ein bisschen beruhigend ist.

Für das Plur>E-Team: Elisabeth Allgäuer, Angelika Kessler