Flügel aus Eisen und Stahl

Der Verein MISCHA (Medien in Schule und Ausbildung) veranstaltete – trotz Pandemie – auch im Jahr 2021 einen bundesweiten Schreibwettbewerb. Der Wettbewerb beschäftigte sich mit der Frage, wie Mobilität das Zusammenleben in unserer Gesellschaft beeinflusst. Zu verfassen war eine journalistische Textsorte (Kommentar, Bericht oder ein Leserbrief).

Dana Junghans (Klasse 4A) hat sich dazu Gedanken gemacht und diese außerordentlich erfolgreich in einen Kommentar gegossen. Mit ihrem Kommentar „Flügel aus Eisen und Stahl“ konnte Dana den Wettbewerb für sich entscheiden und den Sieg nach Vorarlberg holen!

Die Siegerehrung fand am 28. Mai 2021 im Rahmen des Bundesredewettbewerbs statt. Des Weiteren wird Danas Kommentar bald in diversen Tageszeitungen zu lesen sein.

Wir gratulieren herzlich und freuen uns unglaublich über diesen Erfolg!

Bericht: Isabella Rechberger
Foto: Quelle: Salzburger Nachrichten

 

Kommentar von Dana Junghans:

Flügel aus Eisen und Stahl

Es gibt eine alte griechische Sage. Sie handelt von einem jungen Mann, der mit Hilfe wächserner Flügel das Fliegen meisterte – zumindest kurzfristig, denn er kam der Sonne zu nahe, seine Flügel schmolzen und er stürzte in die Tiefen des Ozeans. Die Lehre der Geschichte? – Übermut kommt vor dem Fall. Doch warum wollte besagter Grieche überhaupt fliegen? Es ging ihm um Freiheit – oder besser gesagt: räumliche Mobilität.

Tatsächlich ist räumliche Mobilität essenziell für das Überleben eines Menschen, denn sie beschreibt die körperliche Bewegungsfreiheit. Der Homo Sapiens ist nicht darauf ausgelegt, Fotosynthese zu betreiben – außer ihm wachsen Wurzeln und Blätter, was aus evolutionstheoretischer Sicht allerdings stark zu bezweifeln ist. Aber nicht nur die Fortbewegung zu Fuß ist im Konzept der räumlichen Mobilität inkludiert, sondern sie umfasst auch jegliche Transporthilfen wie z. B. – um an obige Sage anzuknüpfen – die wächsernen Flügel des Ikarus oder die über eine Milliarde Autos, die in der Weltgeschichte unterwegs sind.

Man könnte also behaupten, dass dank der Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert die Menschheit heute so mobil ist wie nie zuvor. Autos, Züge und Schiffe verfrachten einen, fast schon in Sekundenschnelle, von A nach B. Und damit ist das Ende der Transportmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts noch nicht erreicht. Denn der Mensch hat mindestens ein weiteres Ass im Ärmel: Flugzeuge - Flügel aus Eisen und Stahl. Sie ermöglichen, ein Territorium in Anspruch zu nehmen, für das der Mensch nie gedacht war: den Luftraum. Mit dieser Errungenschaft ist Mobilität sogar noch einfacher als zuvor. Man kauft sich ein Ticket, setzt sich in den nächstbesten Flieger und schon sitzt man – allem Hochgebirge und Weltmeer zu Trotz – innerhalb weniger Stunden auf einer mehr oder weniger verlassenen Insel.

Mobilität. Für Ikarus bedeutet sie Freiheit. Doch was bedeutet sie für uns? Tatsächlich hat Fliegen aktuell für viele nur noch wenig mit diesem Gefühl der Ungebundenheit zu tun. Gerade „Berufsflieger“ wissen wovon hier die Rede ist: man quetscht sich auf einen viel zu kleinen Sitz mit einem viel zu engen Gurt. Das Gefühl der Freiheit bleibt aus. Wie kompensiert der Mensch dieses unerfüllte Sehnen nach Freiheit? Er baut, auf der Suche nach dem Glücksgefühl, das Ikarus damals verspürte, Maschinen, die immer höher und weiter kommen – bis zum Mond und darüber hinaus. Doch das Gefühl der Freiheit bleibt weiterhin aus.

Was wäre, wenn man einen evolutionstechnischen Schritt zurückgehen würde? Wenn man auf dem Boden bleiben würde? Nur vom Fliegen träumen würde?

Mutter Natur würde es einem danken, denn ohne Flugzeuge fallen schließlich die dabei ausgestoßenen Treibhausgase weg. Die Menschheit wird aber so oder so eher früher als später an ihre Grenzen stoßen. Sie hat nämlich in ihrem Weiterentwicklungswahn eine wichtige Sache vergessen: auch Flügel aus Eisen und Stahl schmelzen, wenn sie der Sonne zu nahekommen.




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